Theo, der Pfeifenraucher des Jahres


Theo, der Pfeifenraucher des Jahres

Text: Mike Merkle, Egg (2008)

Vor zwei Jahren konnten Sie den interessanten Bericht von Simon Kramis über die 200 Jahre alten Skelette vom alten Friedhof bei der Theodorskirche in Basel lesen. Auffallend an den ausgegrabenen Schädeln, waren die stark kreisrunden Abnutzungen am Gebiss. Wie es sich herausstellte, stammten diese von den damaligen Tonpfeifen her.

Inzwischen sind etliche Jahre vergangen seit den Exkavationen und man kam zu neuen Erkenntnissen der Skelette. Durch intensive, fast detektivische Kleinarbeit durch die Anthropologen, Forensikern und der Massenspektrometer ist es Dr. Gerhard Hotz mit seiner Crew gelungen, die Identität einer der Skelette herauszufinden. Obwohl es G. Hotz nicht nur alleine der Identifikation von naturwissenschaftlichen Analysen, sondern auch das soziale und berufliche Umfeld der damaligen Zeit angetan hat.

Man gab dem Skelett den Namen Theo. Mit den umfangreichen Recherchen von Theo ging man letztes Jahr an die Öffentlichkeit. Die Publikation war ein grosser Erfolg. In allen Medien wurde von Theo berichtet. Theo wurde nun, 200 Jahre nach seinem Ableben ein Promistar. Man weiss aus den Nachforschungen, dass Theo aus der unteren Schicht der damaligen Zeit stammen musste.

Mit einem Aufruf an die Bewohner von Basel, sie sollen jegliche Indizien von Theo an das Naturhistorische Museum Basel weitergeben. Man erhoffte sich dadurch, längst vergessene Dokumente aus jener Zeit von Theo zu finden. Das Museum sucht immer noch Bilder oder Dokumente aus dem Wohn- oder Berufsfeld von „Theo“. Hinweise bitte an die oben erwähnte Adresse senden.

Schon im Vorbeginn war es den Forschern klar, dass auf dem alten kleinbaslerischen Friedhof bei der Theodorskirche, zwischen 1779 und 1832 Menschen aus der Unterschicht wie Arbeiter, Handwerker, Fuhrleute oder Fischer bestattet wurden. Dr. G. Hotz versucht aus dem damaligen Beerdigungsregister von den 4334 Toten den richtigen Nahmen von Theo herauszufiltern.

Ins englische Bristol für eine Strondium-Isotopen-Analyse, wurde ein Zahnschmelz von Theo zugestellt. Während des Wachstums eines Menschen, wird Strontium aus der Nahrung in den Zähnen eingelagert. Das Verhältnis der verschiedenen Strontiumarten variiert je nach Wohnort, so nach Analyse ist Theo der Wahrscheinlichkeit nach, nicht in Basel aufgewachsen.

Die Zähne verraten, dass er mehrere Stressphasen durchlebte, sowie eine Hungersnot durchgemacht hat. Theo war 1,70 m gross und ist mit 37 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.

Durch Hilfe einer dreidimensionalen plastischen Gesichtsrekonstruktion, wurde Theo in die Gegenwart zurück geholt.


(C) 2006 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken