Wettrauchen mit Genuss

Text & Fotos: Fritz Heinze, Steinach (2008)


Als sich am ersten Samstag im Dezember im toggenburgischen Lichtensteig 32 Frauen und Männer zu einem Wettbewerb im Pfeifenlangsamrauchen trafen, stand ihnen zwar kein Meistertitel in Aussicht, doch dafür ein vielleicht unvergesslicher und gemütlicher Abend.

Im ersten Stock an der Hauptgasse 24 führt Erika Kläger das Restaurant Kreuz, wo traditionsgemäss anfangs Dezember, am Weihnachtsmarkt-Samstag, das Wettrauchen stattfindet. Zum 26. Mal wurde der Anlass heuer dort durchgeführt und das Restaurant platzte dabei fast aus den Nähten. In den Anfangsjahren wurde die Veranstaltung von Erika Iversen, der Besitzerin des gleichnamigen Tabakgeschäfts im Ort durchgeführt. Verena Looser, die seit zwei Jahren das Geschäft führt, setzte die Tradition fort und gründete auch mit einigen Kolleginnen einen Damenpfeifenraucherinnen-Club.  
Nicht zum Siegen
Wer nach Lichtensteig zum Wettrauchen kam, tat dies in den wenigsten Fällen der Medaillen oder des Pokals wegen. Viele der Teilnehmenden, ob Männer oder Frauen, mehr dem Rauchen verbunden als einem Verein, stehen ihrer Wohnregion nahe sowie deren Veranstaltungen. 32 Teilnehmende, davon sechs Frauen, mit im Teilnehmerfeld fand sich Roger Hochreutener, Gemeindepräsident von Lichtensteig, konnte Erwin Looser, der als Wettbewerbsleiter seine Gattin Verena vertreten musste, begrüssen. Fast die Hälfte der Rauchenden war für den Wettkampf von weiter her gereist. 12 Mitglieder des PC Uster, angeführt von Präsident Hanspeter Bossard und drei Raucher von PC St.Gallen-Appenzell mit Präsident Peter Casile, Peter Mastel und Fritz Heinze liessen sich die Teilnahme trotzdem nicht nehmen.  
Halbe Profis und Amateure
Nicht alle Raucherinnen und Raucher stopften an diesem Abend ihre drei Gramm Tabak in Pfeifen mit exklusiven Markennamen. Da war unter anderem auch eine kleine Gesteckpfeife im Einsatz, kurz, Namen waren hier mehrheitlich Schall und Rauch. Doch sie gehörten an diesem Abend zusammen, jene Rauchenden, die ihre Pfeife vielleicht an einem Kiosk oder im Sonderangebot erstanden hatten und die anderen, die den Pfeifenkoffer vor sich auf dem Tisch öffneten und die gegenwärtig richtige Pfeife auswählten. Nach dem Stopfen und dem Anzünden, letzterem über zwei Minuten, versuchten alle ihr Bestes. Der Wille zum Siegen war präsent, doch mit unterschiedlichem Erfolg. In guter Besetzung kamen die Mitglieder des PC Uster ins Toggenburg, unter ihnen Fredy Blanc, der Sieger der OPM 2007 in Winterthur. Ihm wurde der Weg an die Spitze allerdings mit der Präsenz von Peter Mastel vom PC St.Gallen-Appenzell erschwert, schlussendlich gar verunmöglicht. Bei 1:45:00 Std. stieg die Nervosität von Blanc und bei 1:46:29 blieb der Rauch aus und er meldete sich ab. Peter Mastel, der erfahrene Champion und Taktiker, hörte bei 1:46:54 Std. auf. Die anschliessende Analyse seines verblieben Tabaks ergab indes, dass auch sein Rauch nicht viel länger in die Luft steigen konnte. Mit der „Georg Looser“-Medaille ging der Sieger des Abends nach Hause, was dafür Gewähr bietet, dass er im kommenden Jahr wieder dabei sein wird. Bestätigt hatten vom PC Uster Robert Henseler, Rang 3, Kurt Lampart, Rang 4 und Rolf Maag, Rang 5, ihre Platzierungen an der OPM 2007. 
Dass Verena Looser mit ihren Clubkameradinnen und Erika Kleger, der Wirtin des Restaurants Kreuz, den Anlass mit Herzblut und auch aus Liebe zur Sache organisieren, belegt die Tatsache, dass bis anhin keine Teilnahmegebühr erhoben wurde und heuer erstmals fünf Franken. Diese Gebühr hätte das OK mit eher schlechtem Gewissen eingeführt, betonte Mitorganisatorin Yvonne Heitz. Im Preis inbegriffen sind die drei Gramm Tabak und ein Paar Wienerli mit Brot.  
Keine Wettraucherpfeifen
Auf die Abgabe einer Wettbewerbspfeife verzichtete das OK traditionsgemäss und aus verständlichen Gründen. Benutzt wurde das mitgebrachte Rauchwerkzeug, das vorgängig von der „Kreuz“-Wirtin auf allfällige Tabakrückstände hin kontrolliert wurde. Die Teilnehmenden nahmen zur Kenntnis, dass Organisatoren gerne auf die Anschaffung von Wettraucherpfeifen verzichten, die stets ein finanzielles Risiko mit sich bringt. Der Verzicht hat in des schon da und dort Fuss gefasst. So unter anderen auch an der diesjährigen OPM in Winterthur. Verantwortlich dafür zeichnen in der Regel die rückläufigen Teilnehmerzahlen. Dieses Problem kennt die Organisatorin des Rauchens in Lichtensteig nicht und die nicht abgegebenen Pfeifen wurden höchstens von den passionierten Rauchern vermisst.  
Ohne tierischen Ernst
Über das Erlebte an dem Abend in Lichtensteig machte man sich gewiss da und dort Gedanken. So auch in der kleinen Delegation des erstmals präsenten Pfeifenclubs St.Gallen-Appenzell, die zum Schluss kam, auch im kommenden Jahr in Lichtensteig dabei zu sein. Die lockere Atmosphäre im Restaurant Kreuz, das nicht dominierende Wettraucherfieber und der nicht spürbare, allgegenwärtige Drang, zuoberst auf dem Siegerpodest zu stehen, liess eine besondere Stimmung aufkommen, kurz gesagt, der tierische Ernst fehlte. Und das fand unter den Teilnehmenden auch Anklang. Gewiss sind Wettbewerbe notwendig, sie gehören in einem Verband zum „täglichen Brot“. Doch die Toggenburgerinnen bieten mit dem wettrauchen eine willkommene Abwechslung, sozusagen ein preisgünstiges Erlebnis, dass trotzdem eine gute Qualität aufwies.  

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