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Guido Berlinger (2006)


Nach dem Ruf «Feuer frei!» ist manch einer sich gewohnt, in Deckung zu springen und sich die Ohren zuzuhalten. Grad einem, der nicht leicht gehabt hat im Militär, schwant sogleich Böses. Aber weit gefehlt. Das «Feuer frei» betraf letzten Samstagnachmittag nicht das Sturmgewehr, sondern die Backpfei-fe. Genauer: Vierundzwanzig Backpfeifen, zwei davon weiblich. Die trafen sich im Bahnhofbuffet zur 28. Ostschweizer Pfeifenrauchermeisterschaft. Eine urgemütliche Angelegenheit.

Drei Gramm Tabak
Um grosse Tische herum setzen sie sich und richten sich ein: Eine Gruppe aus dem Zürcher Oberland bestellt eine gute Flasche spanischen Rotwein. Andere, wie etwa der Lausannois, trinken zum Schmauchen ein Bier oder ein Mineral. Die Stimmung ist locker und freundschaftlich - man kennt sich, denn die «Szene» ist überschaubar. In einer Plastiktüte erhalten die Teilnehmenden eine Pfeife, drei Gramm Tabak, zwei Streichhölzer und einen Holzstift als Pfeifenstopfer. Gleiche Voraussetzungen für alle. Die Zeiten sind international vorgeschrieben: Fünf Minuten Zeit bleibt den Raucherinnen und Rauchern zum Stopfen. Der Raum wird abgedunkelt: Die Teilnehmenden müssen die Glut im «Topf» sehen, mit ihr spielen können. Die Stimmung verändert sich. Fast erinnert sie an die unangesagten Mathetests in der Primarschule: «Von jetzt an kann dir keiner und keine mehr helfen. Alleine stehst du vor der Aufgabe.» Einige Gesichter werden ernst und konzentriert. Den Tabak wiegen sie in der Hand, zerkleinern und verreiben ihn. Dann wird die Pfeife gestopft: ganze drei Gramm Tabak. Die Menge reichte kaum für eine Zigarette. Und wie lange soll das brennen? Zwei Stunden könne das gut und gerne dauern, klärt mich ein Zürcher auf.

«Gut Rauch!»
Während einer Minute stehen den Wettkämpferinnen und Wettkämpfern zwei Streichhölzer zur Verfügung. «Gut Rauch!» lautet das Zeichen für den Beginn des Wettkampfs. Während diesem kommt es darauf an, die Ladung so lange wie möglich glühen zu lassen. Entscheidend: Der Rauchausstoss. Es wird still im Saal. Viel Rauch im Cockpit: 24 Backpfeifen, ein kleiner Vulkan. Zehn Minuten lang passiert gar nichts. Das heisst: Einsaugen und Ausblasen, das schon. Aber kaum ein Wort fällt; getrunken wird nicht - nichts soll die Konzentration beeinträchtigen. Vor allen Rauchenden liegt eine rote Teilnehmerkarte. Sobald die Glut erloschen ist, wird darauf die erreichte Zeit notiert und die Karte bei der «Rennleitung» abgegeben. Bei zweien ist das schon nach wenigen Minuten der Fall: Der Tabak begann bei ihnen nie richtig zu brennen. Eine der beiden Schiedsrichterinnen sammelt die Karten ein.
Teilnehmerfeld schmilzt
Langsam kommen die Gespräche wieder in Gang; an zwei Tischen indes wird weiter geschwiegen. Ein Walkman mit Mozart wirkt hier beruhigend. Beim späteren Ostschweizermeister hingegen erzielen die Gespräche mit den Tischnachbarn eine entspannende Wirkung. Einer erzählt die Geschichte seines Freundes, der während eines Wettbewerbs vom Tisch aufstand, in aller Ruhe zur Toilette ging, zurückkam und weiterdampfte. Ein anderer erinnert sich, wie er einmal ein Bier bestellt habe und wie nach dem Zahlen seine Pfeife aus dem letzten Loch pfiff. Aus! So schnell kann's gehen. Zwischen den Gesprächen hört man immer wieder mal ein aufgeräumtes bis enttäuschtes «Fertig». Nach vierzig Minuten ist das Teilnehmerfeld auf 17 zusammengeschmolzen; nach fünfzig sind's nur noch 12. Auch eine der beiden Baslerinnen muss die Pfeife fallen lassen; die Zürcher Oberländer frohlocken. Später erfahre ich, dass sie am Vorabend einen Wettkampf in Küssnacht am Rigi gewonnen haben und achtzig Teilnehmer übertrafen. So ist das beim Pfeifenrauchen: Es gehört Können und Wissen dazu; aber halt eben auch Geduld und Glück. Davon kann der spätere Ostschweizermeister ein Liedchen singen. Vor einigen Wochen reiste er nach Polen: «An die Weltmeisterschaften. 1500 Kilometer hin und wieder zurück. Dazwischen habe ich ganze zehn Minuten geraucht.» Heute redet er vom Flächenbrand in seinem «Topf». - Allerdings hat er ihn unter Kontrolle, denn noch eine Stunde später schmaucht er an den drei Gramm Tabak!

Feierabend nach zwei Stunden
Im hintern Teil des Saales, wo es ganz dunkel ist, sitzen zwei Raucher mit Walkman hoch konzentriert, lugen ab und zu in ihre Pfeife (einer sogar mit Okular), saugen wieder daran, stossen den Rauch aus. Dazwischen etwas Rotwein. Ein Tischnachbar hat seine Pfeife bereits ins Korn werfen müssen; er bestellt noch ein Bier: Feierabend. Allmählich wird das Teilnehmerfeld kleiner: Nach einer Stunde, zehn Minuten dampfen noch sieben Pfeifen, zwanzig Minuten später noch vier. Nach sage und schreibe zwei Stunden und zehn Minuten steigen nur noch bei Hanspeter Bosshard Rauchzeichen auf. Als auch er «fertig» ruft: Applaus, rauf mit den Rollläden, Fenster auf.

Guido Berlinger-Bolt/Appenzeller Zeitung