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Text + Fotos: Mike Merkle, Egg (2007)

Nicht unweit von uns im baden-würdenbergischen Dornsberg nahe am schönen Bodensee, wird jedes Jahr ein Pfeifenbaukurs für Hobby Pfeifenbauer angeboten. Bertram Safferling ein bekannter Pfeifenbauer aus Stuttgart, der inzwischen in Tramin Südtirol/Italien lebt und dort seine Werkstatt hat, führt uns in die Kunst der Pfeifenherstellung ein.  
Auch ich habe mir vorgenommen an diesem Kurs teilzunehmen und melde mich schriftlich bei Herrn Ludger Feldt an, da die Teilnehmerzahl beschränkt ist. Via Internet suche ich für mich und meine Familie eine geeignete Herberge für die Übernachtung. Meine Familie möchte das Wochenende für Wanderungen geniessen, da ja Dornsberg in einer schönen Naturoase liegt. 
Samstagmorgen letzter Junitag. Der Kurs ist mit 16 Teilnehmern voll belegt. Einige sind schon mehrmals dabei und wollen ihr Geschick an der diesjährigen Pfeife verbessern und haben auch fertige Pfeifen-Skizzen von zu Hause mitgenommen. Da kann ich nur toi toi toi wünschen. 
Jeder bekommt einen Arbeitsplatz zugewiesen, der mit den nötigen Utensilien ausgestattet ist. Das ganze Werkzeug inklusive Maschinen stellt uns Bertram für die nächsten zwei Tage zur Verfügung. Endlich kippt der Kursleiter den Jutensack mit Plateaublöcken darin auf den Boden aus. 
Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch keine Ahnung, wie meine Pfeife aussehen soll. Der Block sollte eine schöne Maserung haben. Endlich habe ich ein Block gefunden, der annähernd einer “Straight Grain“ gleicht. Maserung und Holz machen auf mich einen befriedigenden Eindruck. 
Nach einer gründlichen Begutachtung, frei von Sandkörnern und sonstigen Unreinheiten wird der Block seitlich mit dem Tellerschleifer glatt geschliffen und ins Wasser getaucht. So kann ich die Maserung besser begutachten. Wenn schon denn schon. 
Nachdem die Kontur des Blockes auf das Papier mit dem Stift übertragen wurde, zeichne ich die Form der gewünschten Pfeife im Massstab 1:1 auf. Danach wird dasselbe auf die Seite des Bruyèreklotzes übertragen. Ich habe mich für einen großen halbrunden Pfeifenkopf entschieden. Nicht vergessen, die Rauchkammer mit dem Rauchkanal zu bestimmen.  
Danach wird vorsichtig mit der Feinsäge möglichst genau nach der Kontur ausgesägt. Überschüssiges Holz wird weggeworfen. Holmbohrung aufzeichnen und ab geht’s zur Ständerbohrmaschine. Mit dem Forstner- Bohrer wird der Holmanfang geebnet und danach mit einem 6 mm Metallbohrer 15 mm tief angebohrt, das für die Mundstückzapfen- Halterung bestimmt ist. 
Am späteren Pfeifenkopf wird mit einem extra dafür hergestellten konisch laufenden Bohrer die Rauchkammer ausgebohrt. Wichtig ist, dass der Winkel des Kopfloches genau mit dem der Linie des Rauchkanals übereinstimmt. Sorgfältiges Arbeiten ist angesagt. 
Anschliessend zurück an der Werkbank, wird der Rauchkanal mit einem 2,5 mm Metallbohrer durchgebohrt. Der Bruyèreklotz wird auf den Arbeitsgriff aufgespiesst, das aus einer Holzkeule die vorne ein bisschen konisch zusammenläuft besteht - garantiert für eine feste Halterung im Schraubstock. 
So, jetzt wird wieder unser Geschick gefordert. Am Klotz muss noch herumgeraspelt und gefeilt werden bis die gewünschte Form annähernd erreicht wird, die einer schönen Pfeife gleicht. Vorsicht, nur mit kleinen Schritten vorangehen, da sonst die Wand zwischen Oberfläche und Hohlraum zu dünn werden kann (wegen Durchbrenngefahr)! So vergeht der Morgen und es naht die Mittagspause. 
Gestärkt geht’s gleich weiter mit dem Bau der eigenen Bruyèrepfeife. Wir die Novizen sind sehr interessiert an der Arbeit und tauschen uns gegenseitig aus. Bertram ist voll beschäftigt mit den Anliegen von uns Hobbypfeifenbauern. 
Der nächste Schritt besteht darin, aus einer Parakautschuk Stange ein dazupassendes Mundstück für die Pfeife zu fertigen. An der Drehbank wird ein 2,5 mm Bohrer durch die angefertigte Mundstückstange durchgebohrt und anschliessend ein 6 mm Loch für den Haltezapfen, 13 mm tief hinein gebohrt. Der etwa 25 mm lange Haltezapfen wird bis zur Hälfte mit einem Zweikomponenten Kleber in das vertiefte Loch hinein gedrückt. 
Zurück am Platz wird das Mundstück mit dem Pfeifenkopf zusammen gesteckt. Super, es passt wie angegossen. Dazu muss ich sagen, dass viel Zeit vorbei geht, mit anstehen an den Maschinen. Bei 16 Teilnehmern im engsten Raum, die alle an die Maschinen wollen. Bertram nimmt es gelassen, da er schon einige Jahre diesen Kurs durchführt. 
Mit dem Tellerschleifer wird wieder an der Rohform gearbeitet, mit der Raspel, verschiedenen Feilen und körnigen Schleifleinen verfeinert. Grob wird am Mundbiss gefeilt. Bohrachsen werden wieder festgelegt. Immer wieder wird der rohe Pfeifenkopf mit Wasser benetzt, um die Form besser mit der hervorgehobenen Maserung zu begutachten. 
Ein Reststück vom Bruyèreholz, wird am unteren Teil des Pfeifenkopfes angeleimt, das durch den spitzen Haltekorn an der Drehbank den Pfeifenkopfboden schützen soll. Wieder wird mit dem dafür speziell angefertigten konisch laufenden Bohrer die definitive Rauchkammer ausgebohrt und verfeinert. 
Es ist Feierabend. Der erste Arbeitstag ist ohne grösseren Unfall zu Ende gegangen. Es gab einen Kameraden, der musste durch ein Missgeschick wieder von vorn beginnen mit seinem Pfeifenkopf. Ansonsten läuft alles nach Plan. Ein anderer hat sich in den Finger geschnitten, ein Pflaster darauf, um die Pfeife nicht mit Blut zu beflecken! 
Ludger, verantwortlich für diesen Kurs, lädt uns alle zu einer gemütlichen Runde im gegenüberliegenden Jägerstübli ein, bei Bier und Wurstsalat. Man lässt den Tag Revue passieren und vergnügte sich am Stammtisch. Bei diesem gemütlichen Beisammensein, verging die Zeit im nu und es war Zeit das Gasthaus aufzusuchen. 
2.Tag



Sonntagmorgen erster Julitag. Gut geschlafen und voller Erwartung auf den heutigen Tag, lies ich meine Familie bei einer jahrhunderte alten Mühle aussteigen, sie wollen zu Fuss an der Aachquelle entlang und weiter nach Dornsberg wandern. Das Wetter an diesem Wochenende war sonnig und heiss. 
Dieser zweite Tag wurde wirklich zu einer staubigen Angelegenheit. Feinstaub überall wo man hinsieht. Gift für meine Fotokamera. Nach stundenlangem schleifen mit Schleifleinen, Korngrad 100, 250 und zuletzt mit 400 bis 600, die für eine sehr sehr feine Oberfläche verantwortlich sind. Und nicht vergessen das Holz zwischendurch ins Wasser tauchen, soll die Poren besser glätten. 
Der Mundbiss wird auf das feinste gefeilt und danach auch mit den verschiedenen Korngraden geschliffen bis es sich glatt anfühlt wie der Pfeifenkopf. Nach dem schleifen wird die Pfeife zuerst mit einem Tuch und danach mit dem Industrieföhn getrocknet. 
Jetzt sucht man sich einen geeigneten Farbton für die Pfeife aus. Ehrlich gesagt ist gar nicht so einfach, kann schon mal geschehen, das durch falsche Farbenwahl die Pfeife als ganzes dahin ist. Ich entscheide mich für einen Champagne Siena Ton auf Wasserbasis gestellte Beize. Aber zuerst trage ich mit dem Pinsel grosszügig eine orange rote Nitrobeize auf das Holz. 
Nach kurzer Trockenzeit wird die überschüssige Farbe wieder fein säuberlich mit Schleifpapier abgeschliffen. Keine Angst, die Beize bleibt in de Maserung des Holzes drin. Nun trage ich mit einem Pfeifenputzer die obengenannte Wasserbeize auf.  
Natürlich ist jedem frei gestellt, wie er seine Pfeifenoberfläche behandeln möchte. Frank z.B. ist gelernter Bankangestellter und handwerklich weniger begabt, versicherte er mir. Dennoch be-werkstelligte er für sich selber ein kleines Meisterstück. Er sagte zu mir, dass er seine Pfeife in natura belassen möchte und sie nur noch mit Polierwachs behandeln will. 
Das ist das interessante an diesem Kurs. 16 Teilnehmer und jeder hat seine eigene Ansicht über die Geschmacksvollendung einer Pfeife. Jede Pfeife die heute gefertigt wird, ist ein Original. Fakt ist, dass am Schluss des Kurses jeder Freude hat an seiner selbstgemachten Pfeife. 
Fertig, meine Pfeife hat eine hellbraun lasierende Farbe mit dunkelbrauner Maserung bekommen. Am Schluss wird mit einem sauberen Lappen Schellack aufgetragen. Nach intensiver Trocknung der Pfeife kommt der letzte Schritt an die Reihe und danach habe ich es geschafft. Mit dem braunen Vorpolierwachsblock an die Polierscheibe drücken und fest einwachsen, danach vorsichtig die Pfeife an die Polierscheibe drücken und alle Stellen einpolieren. 
An dieser Stelle sei gewarnt, einem Teilnehmer wurde die Pfeife zweimal durch die starke Rotation der Scheibe aus der Hand geschleudert. Er hatte grosses Glück, dass die Pfeife ohne weiteren Schaden es blieb. Also, die Pfeife nur mit geringem Kraftaufwand gegen die Scheibe drücken, ansonsten würde der Beizfarbton wegpoliert! 
Nächst wird die Polierscheibe ausgewechselt für den Carnaubawachs. Wieder wird der Polierblock auf die rotierende Scheibe fest gedrückt und die Pfeife wie schon oben beschrieben poliert. Man beachte, die Polierscheibe mehrmals mit dem Polierblock einwachsen, da sonst unschöne Schleifspuren auftreten würden! 
Da liegt sie endlich in meiner Hand. Für mich die wahre Freude. Ein Juwel von einer Pfeife. Das Mundstück wird noch von Polierwachsresten gesäubert und den Schleifstaub kräftig aus Pfeifenkopf und Mundstück geblasen. 
Bertram begutachtet meine Pfeife, gibt seinen Kommentar dazu, den ich schweigend durch meine Ohren ziehen lasse und überreicht mir ein dazu passendes Ledersäckchen für meine Pfeife. Am Schluss werden die Pfeifen von Ludger fotografiert, fürs Archiv. 
Meine Familie ist auch schon eingetroffen und so beschliessen wir uns auf den Heimweg zu machen. Ich bedanke mich bei Bertram Safferling und Ludger Feldt für die lässigen zwei Tage und verspreche ihnen wieder zu kommen.

Mike Merkle 
Veranstalter Ludger Feldt mit Pfeifenbauer Bertram Safferling